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finanzguru
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Fachwissen Börse: Bookbuilding
Verfasst am: 05.03.2009, 11:26 |
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Noch vor zehn Jahren wurden neue Aktien ausschließlich nach dem Festpreisverfahren an die Börse gebracht. Dabei beauftragt der Börsenaspirant eine Gruppe von Banken — Emissionskonsortium genannt — mit dem Verkauf und der Börseneinführung seiner Aktien. Der Ausgabepreis für die neuen Papiere wird dabei lange vor der Veröffentlichung des Verkaufsangebots zwischen dem Konsortialführer—dem Leiter des Emissionskonsortiums und dem Unternehmen festgelegt. Das Risiko dieses Vorgehens — PricingVerfahren genannt — zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Oftmals lag der Ausgabepreis zu hoch, weil sich die Börsenverfassung bis zum Ausgabetermin der neuen Aktien drastisch änderte. Oft genug waren die Banken aber auch von Anfang an bereit, übertrieben hohe Ausgabepreise festzulegen, um den Unternehmen möglichst viel Geld in die Kassen zu spülen. Die Zeche zahlten die Anleger: Der Börsenkurs neuer Aktien rutschte dann oft schon unmittelbar nach der Emission deutlich unter den Ausgabepreis. Statt Gewinne hagelte es Verluste.
Das zwang die Institute, ihre Strategie zu ändern. Seit zweieinhalb Jahren wird der Ausgabepreis bei Neuemissionen von Aktien immer öfter nach dem Bookbuilding-Verfahren ermittelt. Bei dieser angloamerikanischen Variante gibt es keinen im voraus festgelegten Ausgabepreis. Vielmehr definieren die Konsortialbanken eine Preisspanne, innerhalb deren die Anleger ihre Gebote zum Kauf neuer Aktien abgeben können — ähnlich einer Auktion. Erst am Ende der Zeichnungsfrist ermitteln sie dann — anhand der Nachfrage — den endgültigen Ausgabepreis.
Mittlerweile wickeln fast alle Börsenaspiranten die Ausgabe neuer Aktien auf diese Weise ab. Im Unterschied zum Festpreisverfahren sind die Ausgabepreise beim Bookbuilding Eurotgerechter. Doch eine Garantie für schnelle Gewinne gibt es auch hier nicht
Vom Marketing zum Preis
Der Börsengang erfolgt beim Bookbuilding-Verfahren in mehreren Schritten. Der endgültige Ausgabepreis der neuen Aktie wird erst am Ende der Zeichnungsfrist ermittelt.
Pre-Marketing-Phase.
Weil sich der Ausgabekurs neuer Aktien vor allem an der Nachfrage der Anleger orientiert, zahlt sich zugkräftige Werbung beim Börsengang aus. Durch gezielte Pressekonferenzen, Anzeigen und andere Unternehmensdarstellungen sollen zunächst der Bekanntheitsgrad des Unternehmens in der Öffentlichkeit erhöht und Anleger zur Abgabe von Geboten ermuntert werden.
In der Euroeting-Phase wird dann eine konkrete Preisspanne veröffentlicht, innerhalb deren Interessenten bieten können. Zugleich wird die Aktie auf den Finanzplätzen präsentiert. Road-Shows heißen jene Werbeveranstaltungen, auf denen für die Aktie getrommelt und Kennzahlen zur Unternehmensanalyse sowie Prognosen zur Geschäftsentwicklung veröffentlicht werden.
In der Order-Taking-Phase nehmen die Emissionsbanken die Angebote der Anleger entgegen. Der Leiter des Ausgabekonsortiums — Bookrunner genannt — hält die Angebote mit Angabe von Stückzahl, Preis, Namen des Zeichners, Investorentyp und Anlagestrategie im Orderbuch fest. Dabei werden alle Anlagewünsche privater Anleger ohne Namensnennung erfaßt.
In der Preisfestsetzungs- und Zuteilungsphase wird das Orderbuch geschlossen, ausgewertet und schließlich der endgültige Ausgabepreis festgelegt. Danach werden die Aktien den Anlegern zugeteilt, wobei der Emittent den Zuteilungsschlüssel festlegen kann.
In der anschließenden Stabilisierungsphase versuchen die Emissionsbanken etwaige hektische Kurssprünge der neuen Aktie durch gezielte „Marktpflege" zu glätten: Falls zu viele Anleger die neuen Titel gleich wieder abstoßen, kaufen sie die Papiere auf. Besteht dagegen weitere Nachfrage, nutzen sie die vom Emittenten zu gewährende Option — Greenshoe genannt — und beziehen weitere Aktien zu ursprünglichen Ausgabekonditionen von der AG und verkaufen sie weiter. _________________
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