Wann profitieren Anleihen mit niedrigem Zinskupon? Verfasst am: 07.01.2009, 10:15
Der Grund für das unterschiedliche Kursverhalten von Anleihen mit verschiedenen Nominalzinssätzen lässt sich finanzmathematisch erklären. Dazu sollen im folgenden die jeweiligen Auszahlungen (Zinszahlung und Tilgung) zweier Anleihen mit identischer Laufzeit und gleicher Rendite verglichen werden. Die Papiere unterscheiden sich lediglich im Nominalzins und Kaufkurs voneinander. Vereinfacht ausgedrückt, führen die höheren Zinszahlungen der einen Anleihe dazu, dass der Anleger einen insgesamt größeren Betrag während der Laufzeit zur Verfügung hat, den er wieder anlegen kann, während der Tilgungsbetrag am Ende der Laufzeit, relativ gesehen, niedriger ausfällt. Wenn die Marktzinsen in der Zwischenzeit steigen, ist dies vorteilhaft, da der Anleger die erhaltenen Zinszahlungen zu höheren Zinsen anlegen kann.
Im anderen Fall — bei sinkenden Zinsen — müsste er sich mit niedrigeren Erträgen zufriedengeben. Insgesamt machen sich damit zeitweilige Änderungen des Zinssatzes am Kapitalmarkt bei diesem Papier weniger stark bemerkbar als bei der Niedrigkupon-Anleihe. Hier bleibt das eingezahlte Kapital für einen vergleichsweise längeren Zeitraum gebunden, da eine insgesamt geringere Auszahlungssumme reinvestiert werden kann. Folglich reagiert der Kurs stärker auf Zinsänderungen am Kapitalmarkt, da die Anleihe höhere Gewinne verspricht, wenn es mit den Zinsen bergab geht, während Zinssteigerungen zu höheren Verlusten führen. _________________